Leidenschaftlich verteidigt der Mathematiker, Physiker und Philosoph Pascal (1623 – 1662) Macht und Würde der menschlichen Vernunft. In allen Bereichen der Lebens- und Weltdeutung wendet er sie an und lässt sie sich entfalten. Dabei gelangt er an eine Grenze: Wir sind unfähig zu erkennen, was Gott ist! Die Grenze führt an einen Abgrund, vor dem bis dahin die meisten zurückschreckten: Wir sind sogar unfähig zu erkennen, ob Gott ist!
Die schließende Vernunft kann von da an keine Gewissheit mehr bieten. Führt die Spekulation vielleicht weiter, wenn sie alternative Möglichkeiten durchspielt? Was kann man gewinnen, und was steht auf dem Spiel, wenn man auf die Existenz oder die Nicht-Existenz Gottes setzt?
A: Ob es Gott gibt oder nicht, kann man nicht sicher entscheiden. Stimmst du dem zu?
B: Ich stimme zu.
A: Also können wir die Frage auf sich beruhen lassen.
B: Nein, ich glaube trotzdem an Gott.
A: Aber kannst du an etwas glauben, was du nicht beweisen kannst? Ich glaube nämlich, dass es keinen Gott gibt.
B: Aber wie kannst du das glauben, wenn du es auch nicht beweisen kannst?
A: So kommen wir nicht weiter. Ich habe ja gleich gesagt, dass man die Frage nicht entscheiden kann.
B: Ich bin einverstanden. Deshalb schlage ich dir eine anderes Verfahren vor: Wir wollen wetten.
A: Wieso wetten?
B: Nun, ein Spiel – aber ein Spiel mit Folgen, ein Spiel am Abgrund! – Ich wette, dass es einen Gott gibt.
A: Gut, ich wette also, dass es keinen Gott gibt! Und was bekomme ich, wenn ich gewinne?
B: Nichts!
A: Nichts?
B: Ja, wenn du nämlich gewinnst hast du zwar Recht: Es gibt dann keinen Gott. Aber im Grunde hast du verloren! Und ich habe auch verloren. Wenn es keinen Gott gibt, ist unser Leben sinnlos und leer.
A: Und wenn du gewinnst?
B: Nun, dann habe ich doppelten Gewinn: Ich habe recht behalten: es gibt einen Gott! Damit gibt es zugleich Glück und Zukunft für den Menschen – auch für mich. Für dich aber auch. Du hast also mit mir gewonnen.
A: Das sehe ich ein. Aber wir sind immer noch nicht weitergekommen. Ob es Gott wirklich gibt, ist genauso ungewiss wie vorher.
B: Ja und nein. Es ist doch immerhin klar geworden dass du dich entscheiden musst und dass diese Entscheidung Folgen hat.
A: Und du meinst, deshalb schon sollte ich mich für den Glauben an Gott entscheiden?
B: Ja, sicher. Bedenke doch: Du musst zwischen zwei Antworten wählen, die sich ausschließen, die aber mit gleicher Wahrscheinlichkeit richtig sind. Eine Antwort hat gute Folgen, die andere schreckliche. Wie kannst du da noch zögern?
A: Aber wenn ich mich dabei irre?
B: dann hast du nichts verloren. Du hast eine Illusion geglaubt, gewiss. Aber im anderen Fall hättest du das Nichts gewählt, das kann dich auch nicht glücklich machen.
A: Du meinst also, ich muss eigentlich an Gott glauben.
B: Nein, du musst nicht. Aber es ist deine einzige Chance.